Für mich eins der besten Bücher der letzten Jahre – The Grace Year von Kim Liggett

Kim Ligget The Grace Year
Coverrechte: Dressler by Oetinger Verlag/Designer ©Foto Silke Tellers||World of Books and Dreams

Infos zum Buch: 

AutorIn: Kim Ligget
Titel: The Grace Year
Originaltitel: The Grace Year
ÜbersetzerIn: Birgit Salzmann
Format: Hardcover
Genre: Dystopie
Umfang: 416 Seiten
Verlag: Dressler Verlag
Erscheinungstermin: 24. Februar 2020
Preis Buch: 22,00 €
Preis eBook: 14,99 €
ISBN-13: 978-3791501628

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*Dressler by Verlagsgruppe Oetinger*

Inhalt

In Garner County heißt es, dass junge Frau über Magie verfügen, die sowohl den älteren Männern als auch den jungen Burschen die Köpfe verdreht und sie verführt. Aus diesem Grund werden Jahr für Jahr alle Mädchen eines Jahrgangs für das sogenannte Gnadenjahr in die Wildnis auf eine Insel gebracht. Hier sollen sie ihre Magie verlieren, damit sie den für sie vorgesehenen Platz als Ehefrau oder auch als Arbeiterin antreten können. Auch Tierney ist eine von den Mädchen, die für das Gnadenjahr zur Insel gebracht werden. In einem abgezäunten Camp, umgeben von finsteren Wäldern, in denen die Wilderer nur darauf lauern, dass eines der Mädchen aus dem Camp hervorkommt, werden sie vom Rest ihrer ihnen bekannten Welt getrennt. Doch auch im Camp herrschen bald Gewalt, Angst und Hass unter den Mädchen. Wie wird dieses Jahr für die Gnadenjahrmädchen enden?

Meine Meinung

Ein Buch dessen Klappentext mich neugierig machte: Intrigen, Mafia, Vatikan und alles miteinander verwickelt klang schon unheimlich spannend. Der Einstieg gestaltete sich allerdings als nicht ganz so leicht, da hier doch eine Menge Personen und Schauplätze auf den Leser einstürmen. Das legt sich dann aber im Laufe des Buches und nach und nach erhält man einen besseren Durch- und Überblick.
Der achte Kreis ist der erste Teil einer neuen Reihe rund um Ishikli Caner und man spürt, dass hier noch einiges mehr passieren wird, bzw. noch nicht verraten wurde. Der Schreibstil des Autors liest sich flüssig und fesselnd und Gravenbach versteht es sehr gut, seinen Worten so viel Leben einzuhauchen, dass man beim Lesen den Eindruck hat, einen Actionfilm zu schauen. Es geht hier um Mord, Intrigen, Lügen, all das verursacht durch den Vatikan und Beweise dafür befinden sich auf einem Datenträger. Kein Wunder also, dass hier von allen möglichen Seiten versucht wird, an den Datenträger heranzukommen.
Erzählt wird die Handlung durch einen neutralen Erzähler aus unterschiedlichen Perspektiven. Dabei stehen hauptsächlich die Ermittler Roth und Freudensprung, Caner und ein Kardinal im Vordergrund, aber auch weitere Perspektiven werden mit integriert. Insgesamt muss ich sagen, dass ich die Grundzüge der Handlung als glaubwürdig und vorstellbar halte.
Durch all diese unterschiedlichen Perspektiven fehlte mir insgesamt ein wenig Tiefgang bei den Charakteren. Natürlich gibt es ja noch genügend Raum in folgenden Bänden die Charaktere weiterzuentwickeln, so dass ich das in diesem Fall nicht als negativ bewerte, trotzdem gab es doch das ein oder andere bekannte Ermittlerklischee. Dem gegenüber steht dann Caner, die, bis auf das kleine Detail eine Auftragsmörderin zu sein, fast schon Superkräfte hat. Trotzdem fand ich die Charaktere interessant und konnte sie mir genügend vorstellen, um der Geschichte Leben einzuhauchen.

Das Cover ist so unscheinbar und doch wunderschön gestaltet und doch bin ich mehr zufällig auf diese Geschichte aufmerksam geworden. Dementsprechend unvoreingenommen bin ich auch ans Lesen gegangen und schon vorab: für mich persönlich ist The Grace Year eines der besten Bücher, die ich in den letzten Jahren gelesen habe.
Von der ersten Seite an gelingt es der Autorin mich in ihre Geschichte zu ziehen, dabei erzählt sie fast schon nüchtern und doch ist es genau das, was mich hier durch wirklich alle Emotionen getrieben hat. Ich habe in dieser Geschichte gehasst, war wütend, hatte Angst, spürte Liebe, Verzweiflung und Hoffnung. Kim Ligget hat mich hier auf eine Gefühlsachter-bahn mitgenommen, die es absolut in sich hatte.
Die Welt, die die Autorin hier beschreibt, wird von Männern dominiert, sie sind von Gott erwählt und die Frauen müssen ihnen gehorchen, denn selbst die kleinste Verfehlung wird hart bestraft. Frauen dürfen sich nicht einmal selbst verteidigen, denn wenn ihr Ehemann sie eines Vergehens beschuldigt, sei es noch so absurd, müssen sie bezahlen, selbst mit ihrem Leben. Ich habe selten eine Welt erlebt, die mich fassungsloser und wütender gemacht hat, als diese. Ich kann kaum beschreiben, welche Wut hier in mir hochkochte.
Dabei erzählt die Autorin so unheimlich fesselnd, dass es mir mehr als schwer fiel, das Buch auch nur eine Minute aus der Hand zu legen. Immer wieder sorgten überraschende Wendungen dafür, mich sprachlos zu machen. Manches Mal hätte ich am liebsten ins Buch geschrien, dass sie sich doch endlich wehren sollen, doch die Frauen scheinen so hörig und ich wäre hier wohl sofort aufgehangen oder verbrannt worden. Ich möchte hier gar nicht zu viel verraten, denn dieses Buch ist so lesenswert, allerdings auch nichts für zartbesaitete, denn es ist nicht nur düster und hoffnungslos, sondern an manch einer Stelle auch grausam und brutal. Deshalb denke ich, bevor man dieses Buch jugendlichen Lesern gibt, selbst einen Blick zuvor hineinzuwerfen, um abschätzen zu können, ob es wirklich schon für Vierzehnjährige geeignet ist. Ich hatte hier mehr als eine Gänsehaut vor lauter Entsetzen.
Von den Hintergründen wie es zu dieser Weltansicht kam, erfährt man als Leser nichts. Auf der einen Seite kreisen die Fragen in meinem Kopf, wie es zu so etwas kommen kann, auf der anderen Seite hat es mich gar nicht so sehr gestört, denn die Geschichte nimmt auch so unheimlich gefangen. Neben all dem gibt es auch eine kleine Liebesgeschichte, doch diese ist eher für das Ende der Geschichte wirklich wichtig und nimmt eher wenig Raum ein.
Protagonistin Tierney erzählt in der Ich-Perspektive vom Gnadenjahr. Tierney ist anders als die anderen Mädchen, denn ihr Vater hat ihr mehr Dinge beigebracht, die Männer eigentlich eher ihren Söhnen beibringen. So herrscht in Tierney oft der Gedanke einer Rebellion, sie träumt, obwohl Träume verboten sind, sie ist unheimlich mutig und ich habe mich hier vom ersten Satz an mit ihr verbunden gefühlt. Ich habe mit ihr gebangt, gezittert, gehofft, mich mit ihr gefürchtet und verliebt, war verzweifelt und voller Hoffnung – Tierney ist für mich etwas besonderes.
Aber neben Tierney spielen noch einige weitere Charaktere wichtige Rollen, wie das ein oder andere Gnadenjahrmädchen im Camp, die Wilderer, die Wächter, die Eltern. Jeder einzelne sorgt für bestimmte Momente, seien es Überraschungen oder Hoffnung.

Mit “The Grace Year” hat Kim Liggett mich in jeder Form gepackt und begeistern können. Selten habe ich Emotionen so real mitgespürt, wie in diesem Buch und ich bin nach wie vor völlig gefangen, von dem was ich da gelesen habe. Ich würde am liebsten ganz viel von jedem einzelnen Abschnitt erzählen, doch das würde nicht nur zu weit ausholen sondern auch viel zu viel verraten. Ich möchte aber allen, die gerne Dystopien lesen, dieses Buch ans Herz legen, denn es ist wirklich eins der besten Bücher, die ich in diesem Bereich gelesen habe. Ein Jahreshighlight und ein Buch, das sich für immer in mein Gedächtnis gebrannt hat.

5 Gedanken zu „Für mich eins der besten Bücher der letzten Jahre – The Grace Year von Kim Liggett

  1. HibiscusFlower Antworten

    Hallo liebe Silke,

    sowohl das Buch wie auch die Autorin waren mir bis eben unbekannt, doch deine gelungene Rezension
    sorgt dafür, dass das Buch gleich auf den Wunschzetttel landet. Danke dafür.

    Liebste Grüße, Hibi

    • Silly Autor des BeitragsAntworten

      Hallo liebste Hibi,

      ich hatte das Buch zunächst auch nicht so wirklich auf dem Schirm und es bei einer Leserunde auf Lovelybooks gewonnen. Das es mich aber so packen konnte, damit hätte ich auch nicht gerechnet.

      Sehr gerne und ich bin gespannt, ob das Buch bei dir einziehen wird.

      Liebe Grüße
      Silke

  2. Anja Antworten

    Hallo Silke,

    sehr schön geschrieben. Ich kann dir eigentlich nur zustimmen. Mich hat das Buch genauso gefesselt, wie auch wütend gemacht.
    Die vielen Fragen, die am Ende offen bleiben (z.B. wie es zu all dem kam), haben mich allerdings ein wenig gestört.
    Viele Grüße
    Anja

    • Silly Autor des BeitragsAntworten

      Hallo Anja,

      vielen lieben Dank! <3

      Ja, diese Fragen habe ich mir auch gestellt: ist es eine fremde Welt? Ist es eine vergangene Parallelwelt? Eine Zukunft? Doch dadurch, dass mich dieses Buch so extrem fesseln und mitfühlen lassen konnte, hat es mich im Endeffekt nicht gestört.

      Liebe Grüße
      Silke

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