Was geschah wirklich mit Alice? [Rezension] Das fremde Mädchen von Katherine Webb

Ich habe mich an einen historischen Roman rangetraut und ich fand ihn super! ;)

Infos zum Buch:

Autor: Katherine Webb
Titel: Das fremde Mädchen
Genre: Historischer Roman
Format: Taschenbuch
Umfang: 656 Seiten 
Verlag: Diana Verlag
Erscheinungstermin: 09. Mai 2016
Preis Buch: 9,99 €
Preis ebook: 8,99 €
ISBN-10: 3453356810
ISBN-13: 978-3453356818
 

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*Verlagsgruppe Randomhouse*

England im Jahre 1803 – Alice Beckwith ist das Mündel von Lord Faukes
und lebt gemeinsam mit ihrer Haushälterin auf einem einsam gelegenen
Gutshof. Als eines Tages ein völlig verwahrlostes kleines Mädchen auf
dem Hof auftaucht, nimmt Alice sich ihrer an und päppelt das Mädchen
wieder auf. Die Kleine scheint schon einiges mitgemacht zu haben und
weist zahlreiche Narben auf, doch sie weiß es zu schätzen, was Alice für
sie in Kauf nimmt und verehrt die junge Frau grenzenlos. Auch Lord
Faukes gibt sein Einverständnis, dass Starling, so tauft Alice die
Kleine, bleiben darf und fortan sind die beiden Mädchen unzertrennlich
und wie Schwestern füreinander. Doch Alice hat ein Geheimnis, sie und
Lord Faukes Enkel, Jonathan Alleyn, lieben sich schon seit
Kindheitstagen. Doch ihre Liebe muss geheim bleiben und so treffen sie
sich heimlich an ihrem Liebesbaum, Alice immer wieder unter dem Vorwand,
spazieren zu gehen. Als Jonathan in den Krieg ziehen muss, bleiben die
Beiden durch Briefe miteinander verbunden, bis Alice eines Tages keine
Antworten mehr von Jonathan bekommt. Als sie die Ungewissheiten nicht
mehr aushält, geht sie zum Anwesen ihres Geliebten und was sie dort
erfährt, läßt sie mehr als geschockt zurück. Sie trennt sich in einem
Brief von Jonathan und verschwindet spurlos bei einem Spaziergang. Alle
glauben, sie wäre mit einem anderen Mann durchgebrannt, alle, bis auf
eine, denn Starling vermutet etwas ganz anderes, denn Alice hätte sie
niemals im Stich gelassen.
Als Jahre später Rachel Weekes im Leben
der Familie Alleyn und dem Leben Starlings auftaucht, wirkt es wie ein
Schock auf die Familie, denn Rachel ist Alice wie aus dem Gesicht
geschnitten. Nach und nach erfährt Rachel von Alice und deren
Verschwinden und sie beginnt, gemeinsam mit Starling, dieser Geschichte
auf den Grund zu gehen. Ist Alice wirklich mit einem anderen Mann
verschwunden? Oder wurde sie, wie Starling vermutet, getötet?
 
Kate Morton hat einen sehr schönen und auch flüssigen Schreibstil,
jedoch schweift sie zeitweise sehr weit aus, z. B. bei einzelnen
Landschaftsbeschreibungen, wodurch es ein paar kleinere Längen gibt,
bzw. es zeitweise etwas langatmig wirkte. Allerdings gelangt man durch
die vielen kleinen Details mitten ins Geschehen und bekommt dadurch
gleich einen Eindruck vom Leben in der damaligen Zeit, es wirkt einfach
atmospärisch dicht und durchdacht. Auch gelingt es der Autorin, die
Sprache der damaligen Zeit perfekt einzufangen. Auch mit ihren
Beschreibungen der Landschaften und der Personen wird man umgehend in
die frühen Jahre des 19. Jahrhunderts zurückversetzt. Man merkt der
Autorin einfach an, dass sie sich in jeder Hinsicht in dieser Zeit wohl
fühlt und sich auch mit den damaligen Umgangsformen sehr gut auskennt.
Die
Handlung des Buches ist durchweg spannend, man bekommt immer nur
kleinere Antworten auf seine Fragen und man rätselt auch permanent mit
um die Geheimnisse, die mit Alice verschwinden zusammenhängen. Dadurch,
dass es hier auch zwei Zeitebenen gibt, lernt man auch Alice als
Charakter kennen und nicht nur durch die Beschreibungen der Personen,
die sie kannten. So entwickelt man auch seine Beziehung zu der jungen
Frau und will einfach unbedingt wissen, was mit ihr wirklich geschehen
ist.
Die Spannung nimmt auch permanent zu, auch wenn ich mir ein paar
der Geschehnisse, die mit Alice Verschwinden zusammenhingen, denken
konnte, wollte ich einfach wissen, wie es weitergeht. Man hofft und
fiebert mit, wenn man wieder neue Details erfährt.
Erzählt wird hier
in der dritten Person, so dass man von jedem Charakter seinen Eindruck
erhält und selber Urteile fällen kann. Denn hier lohnt es sich schon,
bei den Charakteren genauer hinzuschauen, es gibt unglaublich viele
Geheimnisse und keiner ist unbedingt so, wie es auf den ersten Blick
scheint. Alice und Rachel sind mir im Buch sehr ans Herz gewachsen und
die beiden Frauen ähneln sich nicht nur äußerlich. Beide haben ein
großes Herz und sind sehr mitfühlend, sie wirken glaubhaft und ihre
Handlungen durchweg nachvollziehbar. Aber auch alle Nebencharaktere
haben so viel Leben, dass man Mitgefühl für den einen oder Hass und Wut
für einen anderen entwickelt. Viele sind nur äußerer Schein und Sein,
andere haben mehr Tiefe als erwartet und so wirken alle glaubhaft und
auch die Entwicklungen die sie nehmen sind nachvollziehbar.
Mit das fremde Mädchen erhielt ich einen wirklich
gut aufgebauten, atmosphärisch dichten und denkbaren historischen Roman.
Auch wenn ich in diesem Genre nicht unbedingt zu Hause bin, fühlte ich
mich dank des Sprachstils und der Beschreibungen in die Zeit zurück
versetzt. Die Handlung war spannend und auch der Spannungsaufbau war
durchweg da, man fieberte regelrecht mit und ging in Gedanken den
Geheimnissen auf die Spur. Die Charaktere, vor allem die Protagonisten,
wurden mir geschickt nahe gebracht und waren durchweg lebendig und
glaubwürdig. Alles in allem ein wunderschöner Roman, der von mir
lediglich einen Stern Abzug erhält, weil er, durch viele detaillierte
Beschreibugen zeitweise langatmig wurde und mir das Ende zu sehr
konstruiert erschien. Deshalb gibt es hier vier von fünf Sternen und
eine Leseempfehlung!

Autor: Katherine Webb

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