[Rezension] Miss Gladys und ihr Astronaut von David M. Barnett

Infos zum Buch:

Coverrechte: Ullstein Verlag ©Foto Silke Tellers||World of Books and Dreams

AutorIn: David M. Barnett
Titel: Miss Gladys und ihr Astronaut
Originaltitel: Calling Major Tom
ÜbersetzerIn: Wibke Kuhn
Format: Paperback
Genre: Coming of Age
Umfang: 416 Seiten
Verlag: Ullstein Verlag
Erscheinungstermin: 28. Mai 2018
Preis Buch: 15,00 €
Preis ebook: 12,99 €
ISBN-10: 3548289541
ISBN-13: 978-3548289540
ASIN: B077KCB45T

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*Ullstein Verlag*

Inhalt

Eigentlich war es reiner Zufall, dass der Forscher Thomas Major zu einem Astronauten wurde, denn er war sozusagen zur rechten Zeit am rechten Ort. Nun ist er in einem Raumschiff auf dem Weg zum Mars, um diesen zu erschließen, damit irgendwann vielleicht dort Menschen leben können. Eine Zukunft auf dem Mars, für immer oder zumindest für eine lange Zeit ohne andere Menschen klingt für Thomas perfekt, denn er ist andere Personen einfach überdrüssig. Auf dem Flug klingelt dann sein Telefon, am anderen Ende Gladys, eine fast einundsiebzig Jahre alte Dame aus Wigan, die in letzter Zeit immer mehr vergisst. Zunächst genervt, hört Thomas, Major Tom genannt, ihr dann doch zu und so nach und nach lernt er über das Telefon Gladys, ihre Familie und auch all ihre Sorgen kennen.

Meine Meinung

Dieses wunderhübsche Cover machte mich auf den ersten Blick aufmerksam und der Klappentext klang einfach nach einer ganz anderen Story. Genau so eine ganz andere Story habe ich dann auch erhalten, denn Miss Gladys und ihr Astronaut weiß zum Schmunzeln zu bringen, aber auch zu berühren.
David M. Barnett hat mich mit seiner Geschichte absolut fesseln und bezaubern können, denn er schreibt so direkt und lebendig, dass man beim Lesen die Familien, aber auch Major Tom in seinem Raumschiff vor sich sieht. Dabei geht er noch nicht mal in unendliche Detailbeschreibungen über, sondern lässt dem Leser ganz viel Raum für eigene Fantasien. Dadurch, dass der Autor auch in der Gegenwart schreibt, wirkt es noch einmal mehr direkter und realer.
Das Geschehen darf der Leser mit unterschiedlichen Perspektiven verfolgen. So lernt man zunächst Thomas Major – Major Tom kennen, aber auch Gladys und ihre Familie. Während des aktuellen Geschehens driften die einzelnen Charaktere in Gedanken immer mal wieder in die Vergangenheit, vor allem Tom, über den man im Laufe der Geschichte so einiges erfährtund auch immer besser verstehen kann, warum er das Alleinsein bevorzugt. Das alles ist so wunderbar locker und mit einer großen Portion Humor geschrieben, dass die Seiten nur so verflogen beim Lesen.
Erzählt wird hier durch einen personellen Erzähler, in dritter Person. Dieser beschreibt Situationen mit viel Gefühl für Situationskomik und Momente, die sich zwar lustig anhören, wie z. B. Miss Gladys, die auf eine Email eines “Prinzen” reinfiel, aber doch auch ein wenig eigene Tragik beinhalten. Man fühlt mit den einzelnen Personen mit und kann sich in sie hineinversetzen. Alltägliches wird mit unglaublichem vermischt und man könnte sich glatt vorstellen, dass es diesen Astronauten am Telefon wirklich gibt.
Richtig gut gefallen haben mir die Charaktere der Geschichte. Allen voran Miss Gladys, die alte Dame, deren Demenzerkrankung leider immer schlimmer wird und das ausgerechnet jetzt, wo sie als Sorgeberechtigte für ihre Enkel da sein müsste. Diese haben nämlich ihre Mutter verloren und ihr Vater sitzt im Gefängnis. Miss Gladys stellt so manches an und auch wenn man, wenn es einem selbst passieren würde, wohl vor lauter Ärger schreien könnte, ist Gladys einfach so herzig, dass man ihr gar nicht böse sein kann.
Auch Tom ist wunderbar gezeichnet, er ist ein Einzelgänger, voller Zynismus und mit wenig Liebe zu seinen Mitmenschen. Erst so nach und nach erschließt sich hier dem Leser aber, warum er eigentlich so ein Griesgram geworden ist und letzten Endes gibt es bei ihm auch eine ganz tolle Entwicklung. Zum Ende hin mochte ich ihn sehr gerne und ich würde nur zu gerne wissen, wie es ihm dort oben auf dem Mars geht.
Aber auch Miss Gladys Enkelkinder, James und Ellie, sind wunderbar dargestellt. Ellie, die zu viel Verantwortung auf ihren fünfzehnjährigen Schultern trägt, James, das große Talent in Naturwissenschaften, der von seinen Mitschülern gemobbt wird. Sie fügen sich hier einfach gelungen in den Roman ein und es passt einfach.

Mein Fazit

Mit Sicherheit ein Buch, das sehr humorvoll erzählt ist, aber tatsächlich auch Tiefgang hat, denn David M. Barnett zeigt auch ganz deutlich, was Situationen aus Menschen machen, sie verändern können. Selbstverständlich ist hier nicht alles ernst zu nehmen, denn wer telefoniert schon regelmäßig mit einem Astronauten, doch es ist so voller Wärme erzählt, dass es einfach Spaß macht, die Geschichte zu lesen. Wer gerne ungewöhnliche, teils auch sehr skurrile Momente in Geschichten mag, wird hier auf seine Kosten kommen. Ich für mein Teil habe mich wunderbar unterhalten gefühlt und empfehle das Buch sehr gerne weiter.

2 Gedanken zu „[Rezension] Miss Gladys und ihr Astronaut von David M. Barnett

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