Rezension zu “Wir waren hier” von Nana Rademacher

 
Autor: Nana Rademacher
Titel: Wir waren hier 
Genre: Dystopie (Jugendbuch)
Format: Gebunden, mit Schutzumschlag
Umfang: 352 Seiten
Verlag: Ravensburger
Erscheinungstermin: 18. Januar 2016
Preis: 14,99 €
ISBN-10: 3473401390
ISBN-13: 978-3473401390

Anna ist 15 Jahre alt und lebt im Berlin der Zukunft, doch Berlin ist
nicht mehr so wie wir es kennen, es wurde durch einen Krieg zerstört und
wird von der WePo beherrscht. Während die Regierung die wenigen noch
lebenden Bewohner Berlins mit Ausgangssperren und geringen
Lebensmittelrationen beherrscht, versucht Anna gemeinsam mit ihren
Eltern zu überleben. Denn nicht nur der Krieg hat Berlin zerstört, auch
die extremen Klimabedingungen sorgen für ihr übriges, im Winter ist es
extrem kalt, im Sommer extrem heiß, dazwischen gibt es kaum noch etwas.
Als Anna eines Tages einen Chip findet und damit ihr Board wieder zum
Laufen bringt und wider erwarten damit ins Internet kommt, beginnt sie
einen Blog zu schreiben und lernt Ben aus Hamburg kennen und eines Tages
ist Ben plötzlich da, bei Anna, in Berlin.
Ich muss sagen, dass es ein extrem schnell zu lesendes Buch ist, das ich
an nur einem Abend regelrecht inhaliert habe. Die Sprache ist zu Beginn
knapp und die Sätze kurz, diese Sprachwahl spiegelt förmlich die Kälte
und die Hoffnungslosigkeit wieder, die in unserer Landeshauptstadt der
Zukunft herrscht. Und doch erzählt Nana Rademacher ihre Geschichte mit
viel Ausdruck und Gefühl und man fühlt sich zu ihren Charakteren
hingezogen. Gelungen fand ich auch den unterschiedlichen Sprachstil in
den Buchabschnitten, während der erste Teil, der Blogteil, eher aus
abgehackten Sätzen besteht, wird der Schreibstil im zweiten Teil viel
flüssiger und glatter.
Ich habe einen kurzen Moment gebraucht, bis mir klar wurde, dass der
komplette erste Teil nur aus Annas Blogeinträgen besteht, doch als mir
genau das richtig klar war, sah ich Berlin mit den Augen der
fünfzehnjährigen Anna. Anna kennt Berlin kaum noch, wie es vor dem Krieg
war, denn sie war gerade einmal sieben Jahre alt, als der Krieg
ausbrach. Anna schildert, wie sie versucht zu überleben, ihre Mutter ist
nur noch ein Schatten ihrer Selbst und hat keine Kraft mehr, ihrer
Tochter eine Mutter zu sein, Annas Vater versinkt in Hoffnungslosigkeit
und ist ebenfalls keine Hilfe für das Mädchen. Somit ist Anna zum großen
Teil auf sich allein gestellt, doch Anna ist eine Kämpfernatur und
tatsächlich erwähnt sie sogar, dass sie, als ihre Eltern von Flucht aufs
Land reden, ihr Leben in Berlin mag.
Anna ist ein ganz besonderes Mädchen, es ist immer wieder erstaunlich,
mit welchem Mut und welcher Kraft sie für sich, aber auch für die
Personen einsteht, die ihr nahe stehen. Als Ben, den sie durch ihren
Blog kennenlernt, in ihr Leben tritt, beginnt für Anna eine Zeit der
Hoffnung und der Liebe. Ben ist mysteriös und hat seine Geheimnisse, aus
denen man nicht schlau wird und selbst Anna vertraut er sich nicht an.
Und doch ist er etwas besonderes, denn er macht Anna Komplimente und
zeigt ihr sogar, wie die Sterne schmecken.
Mein einziger Wehrmutstropfen war ein wenig der Schluss, doch ich
glaube, der war hier durchaus durchdacht und berechtigt. Auch wenn mir
das gar nicht gefallen hat, klingt das recht realistisch, jedoch möchte
ich dazu erst mal nicht viel zu sagen.

Eindrucksvoll und kurzweilig geschrieben, entwickelt sich das Buch zu
einem regelrechten Pageturner. Das ganze Geschehen des Romans ist einem
umso näher, da es hier in Deutschland spielt und ich muss zugeben,
absolut abwegig ist es nicht, was da passiert ist und genau das macht
diesen Roman aus. Es ist ein durchweg beängstigendes Szenario, bei dem
man nur ganz fest hoffen kann, das es nicht so kommen wird. Was ich mir
bei diesem Buch durchaus vorstellen kann, wäre es als Schullektüre zu
lesen. Mir hat es gefallen und ich denke, dass es auch die Zielgruppe
ansprechen wird.

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